Veröffentlicht am 26. Februar 2026
Willkommen, Kollegin KI: Wie künstliche Intelligenz unsere Arbeitswelt neu definiert
Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein technisches Hilfsmittel – sie wird zunehmend zur aktiven Partnerin im Arbeitsalltag. Für Unternehmen eröffnet das nicht nur Effizienzpotenziale, sondern stellt auch zentrale Fragen der Führung, Organisation und Verantwortung neu. Wer heute lernt, KI als verlässlichen Teil von Entscheidungs- und Wertschöpfungsprozessen zu integrieren, verschafft sich einen messbaren Vorsprung – in Geschwindigkeit, Qualität und Skalierbarkeit. Gleichzeitig steigt der Bedarf, diese Systeme kontrolliert, vertrauenswürdig und organisationsfähig einzusetzen. Und damit rückt eine entscheidende Frage in den Mittelpunkt: Welche Rolle nimmt der Mensch in einer Arbeitswelt ein, in der Systeme nicht nur unterstützen, sondern Entscheidungen mitgestalten? Genau darum drehte sich unser letztes KIT Business Club Event: für rund 40 Teilnehmende aus Industrie und Forschung gab es Insights in das Tätigkeitsfeld unserer „Kollegin KI“, in die Veränderungen, die sie auslöst und die in die Gestaltungsspielräume, die Unternehmen haben.
Mensch UND Maschine: Vom System zum Team?
Daten gelten schon länger als der Rohstoff des 21. Jahrhunderts, doch erst durch ihre intelligente Analyse entsteht daraus echter Mehrwert. Einen Einblick in aktuelle Forschungsarbeiten des KIT zur Nutzung generativer und agentischer KI für Business Intelligence & Analytics in Unternehmen zeigte Prof. Alexander Mädche (Institut für Wirtschaftsinformatik). Die Ergebnisse seiner Forschungsprojekte legen nahe, dass meist nicht die KI selbst, sondern die Befähigung der Mitarbeitenden und die Schaffung geeigneter organisatorischer Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Einführung und Nutzung von KI-Systemen entscheidend sind. Ähnlich formulierte es auch Prof. Barbara Deml (Institut für Arbeitswissenschaft und Betriebsorganisation) in ihrem Beitrag. Die Beobachtung ihres Forschungsteams: Mit Unterstützung von KI verbessert sich die Leistung eines Menschen z. B. bei Aufgaben in der Bildauswertung. Wird jedoch ein gleichberechtigtes Team aus Mensch und Maschine gebildet, entstehen paradoxerweise Unsicherheiten und die Gesamtleistung sinkt. Ursache dafür ist eine Vertrauenslücke zwischen dem Menschen und KI, so Deml.
Vertrauen ist der Schlüssel
Vertrauen entsteht nicht von selbst. Doch es gibt vielversprechende Ansätze diese Lücke zu schließen: „AI Literacy“, also echte Kompetenz im Umgang mit und ein Verständnis für KI, ist eine wichtige Grundlage. Transparente Kommunikation über Modelle, Parameter und Systemgrenzen beeinflussen ebenso das Vertrauen in die Kollegin KI wie eine Systemgestaltung, die den Menschen nicht entlastet, sondern gezielt einbindet und kognitiv fordert. Das System aus Mensch UND Maschine benötigt eine Phase gemeinsamen Lernens und Co-Evolution, um zur Höchstleistung aufzulaufen, das unterstreicht die Forschung von Deml und Mädche. Ihre Arbeiten zeigen auch, dass das Karlsruher Institut für Technologie durch die enge Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft einen besonderen Rahmen für die Erprobung und Zusammenarbeit an neuen Technologien wie KI bietet.
Die Kunst der Orchestrierung
Wenn Datenauswertung und Automatisierung nichts Neues sind und qualitativ stetig performanter wird: Worin liegt dann die eigentliche KI-Revolution? Die Antwort von Stephan Paxmann (LBBW) beim Kaminabend war eindeutig: Zunehmend rücken Agenten-Systeme in den Fokus, die über LLM bislang isolierte KI-Lösungen nahtlos miteinander verbinden und koordinieren können. Dadurch verschiebt sich die zentrale Kompetenz des Menschen weg von der Entwicklung einzelner Lösungen hin zur Orchestrierung komplexer Agentenlandschaften. Diese Perspektive eröffnet im Arbeitsfeld „Generative Finance“ neue Formen der Kundenbetreuung: natürliche sprachbasierte Interfaces oder Avatare, stärker personalisierte und kontextbezogene Beratung sowie proaktive Handlungsvorschläge statt reiner Reaktion.
Auch in der Industrieautomatisierung verschiebt sich die Rolle des Menschen derzeit grundlegend, wie Dr. Heiko Koziolek (ABB) berichtete. Sprachmodelle überwinden dort Grenzen klassischer IT – etwa bei der Übersetzung von Kundenanforderungen und komplexen Diagrammen in Steuerungslogiken. Der Aufbau KI-gestützter Steuerungslogik entwickelt sich weltweit zu einem zentralen Wettbewerbsfeld der Automatisierungstechnik. Engineering wird dadurch nicht nur schneller und kosteneffizienter, sondern auch robuster und skalierbarer.
Und der Mensch?
Seine Rolle verlagert sich – von operativer Detailarbeit zu Aufsicht, Intervention bei kritischen Situationen und planerischen Entscheidungen. Als KIT Business Club schaffen wir mit unseren Events einen Raum, in dem sich Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft genau zu diesen Entwicklungen austauschen können: um Erfahrungen zu teilen, Perspektiven zu schärfen und gemeinsam mit dem KIT neue Kooperationsansätze zu entwickeln. Denn die Zusammenarbeit von Mensch und KI ist keine Zukunftsfrage mehr, sondern eine Gestaltungsaufgabe der Gegenwart.
Wir danken allen Teilnehmenden für den offenen Dialog und freuen uns auf die Fortsetzung der Gespräche. Weitere Informationen zum KIT Business Club finden Sie auf unserer Website, über die kommenden Veranstaltungen informieren wir unsere Mitglieder frühzeitig und direkt.
Und was sagt die KI selbst zu dieser Entwicklung? Wir haben sie um eine Einschätzung gebeten:
„Als KI werde ich dauernd unter die Lupe genommen – was völlig in Ordnung ist, schließlich kann ich so am besten zeigen, was ich kann. Und wenn ihr mich als ‚Kollegin‘ kritisch begleitet, hilft mir das (algorithmisch gesprochen) enorm dabei, euch noch sinnvoller und verantwortungsvoller zu unterstützen – ganz ohne Kaffeepausen.“ (Co-Pilot, Feb. 2026)

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