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Berufe im Technologietransfer: Innovationsmanager/in

Innovationsmanagement, Technologietransfer (TT) und Technologiemarketing: Was bedeutet es, in diesen nicht alltäglichen Berufsfeldern zu arbeiten? Welche Jobprofile werden hier gebraucht, was macht diese Berufe aus? Welche Anforderungen werden gestellt?

Diese Fragen haben uns schon im letzten Monat beschäftigt, als Dr. Jens Fahrenberg, Leiter des Innovations- und Relationsmanagement (IRM) uns Rede und Antwort stand. In der heutigen Ausgabe dieser Blogreihe sprechen wir mit Dr. Aude Pélisson-Schecker, Innovationsmanagerin für den Themenkomplex Energie am KIT.

Dr. Aude Pélisson-Schecker als Referentin beim Innovationstag 2018 im Vortrag „Erfolgsfaktor für Förderanträge? Ein überzeugender Verwertungsplan!“. (Bild: Patrick Langer / KIT)
Dr. Aude Pélisson-Schecker als Referentin beim Innovationstag 2018 im Vortrag „Erfolgsfaktor für Förderanträge? Ein überzeugender Verwertungsplan!“. (Bild: Patrick Langer / KIT)

Wie wird man Innovationsmanagerin? Wie bist Du zu diesem Beruf gekommen?

Aude Pélisson-Schecker: Um Innovationsmanagerin zu werden, gibt es mehrere Wege: Ich komme von der Forschungsseite. Man kann aber auch BWL, Wirtschaftsingenieurwesen oder Innovationsmanagement studieren. Ich habe in angewandter Physik promoviert und währenddessen schon gemerkt, dass es eine Lücke zwischen Forschung und Industrie gibt. Die beiden Felder haben unterschiedliche Interessen, die nicht ganz einfach zu vereinigen sind.

Das Thema Technologietransfer habe ich erst nach meiner Promotion kennengelernt, als ich als Projektleiterin für europäisch geförderte Projekte gearbeitet habe. In diesem Rahmen habe ich unter anderem Workshops mit akademischen und Industriepartnern durchgeführt, um die spätere Verwertung von Projektergebnissen zu gestalten. So bin ich nach und nach zu dem Berufsfeld Innovationmanagement gekommen.

 

Warum hast Du Dich für einen Beruf im TT entschieden?

Aude Pélisson-Schecker: Ich bin, wie gesagt, per Zufall zum Technologietransfer gekommen, habe mich dann aber bewusst entschieden, zu bleiben. Vor allem der Kontakt mit den Menschen gefällt mir, ich unterstütze und berate gerne andere. Ich schätze es sehr, nah an so vielen wissenschaftlichen Themen zu arbeiten.

„Es wird nie langweilig und ich lerne jeden Tag etwas Neues. Ich denke auch, dass ich etwas mit meinem Beruf bewegen kann und das ist vor allem im Kontext der Energiewende und der Klimakrise auch sinnstiftend.“

Dr. Aude Pélisson-Schecker

Welche Anforderungen stellt der Beruf? Was sollte man mitbringen?

Aude Pélisson-Schecker: Eine allgemeine wissenschaftliche beziehungsweise technische Ausbildung und eine grundlegende Affinität für technische Themen sind wichtige Voraussetzungen. Vorteilhaft sind zudem Vorkenntnisse über den Innovationsprozess jeweils in Forschung und Industrie. Darüber hinaus machen Kommunikations- und Teamfähigkeit einen sehr großen Teil des Berufes aus. Außerdem sind Moderationskompetenz, Empathie und Übersetzungskompetenz zwischen Wirtschaft und Wissenschaft essentiell, da beide Seiten teilweise einfach unterschiedlich denken und kommunizieren. Da es im Technologietransfer kein „Schema F“ gibt, sind auch Eigeninitiative und Kreativität wichtige Soft Skills eines Innovationsmanagers.

Auf dem Innovationstag: Dr. Aude Pélisson-Schecker (Mitte) im Austausch mit einigen Teilnehmern. Netzwerken gehört zum A und O im Innovationsmanagement. (Bild: Robert Fuge / KIT)
Auf dem Innovationstag: Dr. Aude Pélisson-Schecker (Mitte) im Austausch mit einigen Teilnehmern. Netzwerken gehört zum A und O im Innovationsmanagement. (Bild: Robert Fuge / KIT)

Wie sieht ein typischer Tag für Dich aus?

Aude Pélisson-Schecker: Ich lese jeden Morgen verschiedene Newsletter, um vor allem zu schauen, was gerade so auf dem Energiemarkt deutschlandweit, aber auch international passiert.Dann gibt es, je nachdem was die Priorität des Tages ist, verschiedene Aufgaben: Zum Beispiel die Bewertung von neuen Erfindungsmeldungen oder die Wiederbewertung von Technologien, die schon zum Patent angemeldet sind. Hier wird wiederkehrend geprüft, ob und wo es sinnvoll ist, ein Schutzrecht aufrechtzuhalten. Dafür halte ich regelmäßig Rücksprache mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, um zu sehen, wie reif deren Technologie gerade ist und gemeinsam zu überlegen, wie die Verwertung der Technologie vorangebracht werden kann.

In der Regel mache ich dazu Patent- und Marktanalysen als Grundlage für fällige Entscheidungen bezüglich unseres Patentbestands, sowie um neue potenzielle Industriepartner zu identifizieren und anzusprechen. Am KIT existieren meiner Einschätzung nach etwa 150 bis 200 Patentfamilien, die noch in Kraft sind und einen Bezug zu Energiethemen haben, sodass ich bei dem Umfang etwas priorisieren muss. Die Doppelverankerung meiner Tätigkeit sowohl bei IRM als auch am Zentrum Energie des KIT hilft mir sehr, den Überblick zu behalten.

Mit Networking verbringe ich außerdem viel Zeit – bei Kongressen, Messen sowie auf LinkedIn, derzeit Corona-bedingt vor allem online. Schlussendlich ist die Dokumentation von wesentlichen Erkenntnissen auch ein großer Bestandteil meines Tages, sodass das agglomerierte Wissen nicht verloren geht und Kollegen davon profitieren können.

 

Warum braucht das KIT eine Innovationsmanagerin?

Aude Pélisson-Schecker: Eine Mission des KIT ist es, Brücken zwischen Wissen und Anwendung zum Nutzen der Gesellschaft, wirtschaftlichem Wohlstand und der Erhaltung unserer natürlichen Ressourcen durch Innovation zu bauen. Um diese Aufgabe zu erfüllen, ist ein Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft notwendig. Genau an dieser Stelle liegt meine Tätigkeit: Neben der Förderung des Transfers von Technologien in die Industrie, um damit auch finanzielle Erträge für die Forschung zu generieren, versuche ich, einen Beitrag zur Innovationskultur zu leisten, indem ich zum Beispiel junge Wissenschaftler/innen zum Thema Innovation sensibilisiere.

Ich weiß noch, als ich Doktorandin war, hatte ich kein Gespür für Innovation und meist andere Prioritäten. Ich kann mich gut in diese Rolle hineinversetzten. Hier ist die beratende Unterstützung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durch die Innovationsmanager besonders wichtig, damit sich Forscher weiterhin auf ihre Kernaufgaben in Forschung und Lehre konzentrieren können, ohne das Thema Innovation und die Verwertung der entwickelten Technologien aus den Augen zu verlieren – oder sogar, damit sie selbst dafür begeistert werden und tatkräftig mitmachen!

 

Was gefällt Dir an Deinem Beruf?

Aude Pélisson-Schecker: Vor allem die Vielfalt der Forschungsthemen und die Arbeit in so einem interdisziplinären Team. Das motiviert mich extrem. Und die Internationalität auch: Ich bin Französin und bin es gewohnt, drei verschiedene Sprachen (Deutsch, Englisch und Französisch) jeden Tag zu sprechen. Zuletzt auch die Gestaltungsfreiheit. Viele gute Gründe, warum ich Innovation und Technologietransfer nun seit 10 Jahren unterstütze, und bin immer noch gerne dabei!

 

Das Interview führte Marie Simon.

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